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| Proteste wegen der Finanzkrise überschatten Unabhängigkeitsfeierlichkeiten in Reykjavik. |
Die Finanzkrise sorgt auf Island weiterhin für Unruhe, denn nun zeigt sich die Wut der Bürger. Demonstranten stürmten die Reykjaviker Zentralbank mit der Forderung des sofortigen Rücktrittes von Notenbankchef David Oddsson.
Eigentlich sollte am 1. Dezember nur der 90. Jahrestag der isländischen Unabhängigkeit gefeiert werden. Doch Proteste überschatteten das Ereignis. Über hundert Demonstranten stürmten die isländische Zentralbank. Im Foyer forderten sie in Sprechchören den Rücktritt von Nationalbankchef David Oddsson, den sie für den wirtschaftlichen Zusammenbruch des Landes verantwortlich machen. Die Demonstranten zogen sich erst nach Drohungen der Polizei, das Gebäude gewaltsam zu räumen, zurück.
Nach dem Zusammenbruch der drei größten Banken Kaupthing, Landsbanki und Glitnir im Oktober ist die finanzielle und wirtschaftliche Lage Islands zurzeit sehr ernst. Das Land leidet unter akuter Devisenknappheit, die Arbeitslosenzahlen steigen enorm an, die Inflationsrate geht auf die 20 Prozent zu und durch den freien Fall des Kronenkurses können viele Unternehmen nichts mehr importieren. Zudem vervielfachen sich die Kreditkosten um die Tausende, gleichzeitig sind die Häuser auf dem Immobilienmarkt aber nichts mehr wert.
Am Montag beantragte Islands ehemals größte Bank Kaupting einen Zahlungsaufschub bei den US-Behörden für ihre Schulden in den USA. Die Gesamtschulden des isländischen Instituts belaufen sich auf über 20,6 Milliarden Euro und sind mehr als doppelt so hoch wie der gesamte Staatshaushalt. Neben Oddsson wird auch Regierungschef Geir Haarde dafür mitverantwortlich gemacht, dass die zusammengebrochenen Banken den 320 000 Bürgern Islands eine gigantische Schuldenlast auferlegen konnten. Am Wochenende traten tausende Demonstranten vor das Parlament und forderten Haardes Rücktritt. |