Eine deutsche Versicherung plant, erstmals in den Handel mit sogenannten non-performing loans (NPL) einzusteigen. Einem Bericht der Financial Times Deutschland zufolge prüft das Unternehmen Generali derzeit den Erwerb von „faulen Krediten“ als Kapitalanlage. Es möchte zunächst etwa 100 Millionen Euro investieren. Ein Generali-Sprecher erklärte, nach derzeitiger Marktsichtung werde sich der Kauf vor allem auf notleidende Konsum– und Immobilienkredite beschränken.
Mit diesen Plänen betritt das Unternehmen Neuland in der deutschen Versicherungslandschaft. Banken und Fondsgesellschaften machten bislang den Handel mit notleidenden Krediten unter sich aus. Hierbei spekulierten die Käufer darauf, die Kredite zu einem späteren Zeitpunkt mit Gewinn verkaufen oder die Sicherheiten verwerten zu können. Darlehen gelten als notleidend, wenn der Kreditnehmer seit über drei Monaten keine Zinsen mehr an die Bank gezahlt hat.
Die Geldinstitute haben in der Vergangenheit notleidende Forderungen an andere Kreditinstitute und Fonds verkauft, um das gebundene Eigenkapital wieder freisetzen zu können. Der Handel ist jedoch 2008 durch die Finanzkrise fast komplett zum Erliegen gekommen – nun scheint er sich langsam wieder zu beleben.
Die Lebensversicherungsgesellschaften suchen derzeit nach neuen Anlagemöglichkeiten, da der derzeitige Kapitalmarkt nur niedrige Zinsgarantien ermöglicht. Deutsche Lebensversicherer haben ihren Kunden aufs Sparkapital durchschnittlich 3,4 Prozent Rendite garantiert. Doch können die Gesellschaften diesen Gewinn mit festverzinslichen Papieren, zum Beispiel mit Pfandbriefen oder Staatsanleihen, kaum erzielen.
Aus diesem Grund versuchen die Versicherungen, mit einem Teil der Kapitalanlagen auf andere Weise höhere Gewinne zu erzielen. Sie investieren wieder zunehmend in Aktien, Private Equity und Hedgefonds. Künftig könnten nun auch notleidende Kredite für Versicherungen eine größere Rolle spielen. Doch müssen sich die Versicherungen beim Kauf von NPLs an strenge Investitionsgrenzen halten: Sie dürfen in sie nicht mehr als fünf Prozent vom Vermögen anlegen.
Generali erwartet, mit NPLs Renditen zwischen sieben und neun Prozent erzielen zu können - Kapitalanleger hatten in den vergangenen Jahren sogar Renditen bis zu 25 Prozent erwirtschaftet; derzeit liegen die Renditeziele der Investoren bei etwa 15 Prozent. Laut Financial Times Deutschland prüfen derzeit auch andere Versicherer den Handel mit NPLs. Finanzexperten gehen davon aus, dass deutsche Banken über faule Kredite in dreistelliger Milliardenhöhe verfügen. |