Die OECD kritisiert in ihrem aktuellen Bericht die Verteilung der Steuer- und Sozialabgaben in Deutschland. Die Last für Arbeitnehmer und Arbeitgeber sei hierzulande so hoch wie in kaum einem Land der Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit. Sie zahlen im internationalen Vergleich die dritthöchsten Abgaben. Insbesondere Alleinerziehende und Geringverdiener sind benachteiligt.
Der deutsche Staat behält von den Löhnen und Gehältern durchschnittlich über 50 Prozent durch die Lohnsteuer und Sozialbeiträge ein. Dabei verlange er von den Steuerzahlen nicht mehr Abgaben als andere Staaten, so die Pariser Organisation. Deutschland sei im Vergleich mit anderen OECD-Ländern kein Hochsteuerland; die Steuern und Sozialabgaben seien mit einem Anteil von 36,2 Prozent der Wirtschaftsleistung sogar durchschnittlich. Allerdings belaste die Regierung den Faktor Arbeit mit 52 Prozent deutlich über dem Durchschnitt; der Mittelwert der OECD-Länder liegt bei 36,4 Prozent. Höher sei die Belastung lediglich in Belgien und Ungarn.
Die Sozialabgaben liegen mit 13,3 Prozent ebenfalls über dem internationalen Durchschnitt von neun Prozent.
Die hohe Sozialabgabenlast verteure Arbeit in Deutschland deutlich, heißt es im Bericht; dies mache es gerade für gering Qualifizierte schwer, eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zu finden. Nach Einschätzung der Experten bremsten hierzulande die hohen Sozialabgaben die Beschäftigung aus. Sie raten der Bundesregierung, das Sozialsystem stärker über Konsum- und Grundbesitzsteuern zu finanzieren.
Dennoch sieht die OECD in Deutschland auch Fortschritte beim Umbau des Steuersystems: Die Abgabenlast sei insgesamt zum Jahresniveau 2000 gesunken, obwohl die nominalen Löhne und Gehälter um fast ein Fünftel gestiegen seien. Diese Entwicklung führen die Experten auf die Steuersenkungen vor zehn Jahren zurück, sowie auf die Kindergelderhöhung. Problematisch bewertet die OECD allerdings, dass von den bisherigen Steuerentlastungen insbesondere alleinstehende Besserverdiener profitierten. Die Abgabenentlastung für Alleinerziehende mit zwei Kindern betrage gerade 0,4 Prozentpunkte im Vergleich zum Jahr 2000 und begünstige allein Arbeitgeber, kritisierte die Organisation.
In der OECD haben sich derzeit 30 Länder zusammengeschlossen, um sich über ihre Wirtschaftspolitik auszutauschen. Die Organisation ermittelt regelmäßig in einer Jahresstudie die Steuerbelastung in den Mitgliedsländern und spricht Empfehlungen aus. Zu den Mitgliedern gehören neben Deutschland unter anderem die USA, Japan, Großbritannien und Frankreich. |