|
Der französische Investmentbanker Jérôme Kerviel hat bei Anlagegeschäften 4,9 Milliarden Euro verzockt – wahrscheinlich am Vorgesetzten vorbei. Heute beginnt in Paris der Prozess gegen ihn.
Jérôme Kerviel hatte bei der Société Générale deutlich mehr Geld angelegt, als die Bankrichtlinien es vorschrieben. Jetzt muss er sich nicht nur wegen Untreue vor Gericht verantworten, sondern auch wegen Dokumentenfälschung, weil der Daten manipuliert haben soll. Kerviel drohen 375 000 Euro Strafe und bis zu fünf Jahre Gefängnis. Sein ehemalige Arbeitgeber tritt als Nebenkläger auf.
„Eigentlich gehört die Bank mit auf die Anklagebank“, sagt Kerviel. Schließlich sei jedem bekannt gewesen, mit welchen Summen er jonglierte. Der Wertpapierhändler zeigt nur begrenzt Einsicht für sein Handeln. Er sei zwar zu weitgegangen und habe das System ausgereizt, gesteht er. Doch möchte er für die Praxis nicht alleine die Verantwortung übernehmen.
Kerviel jonglierte mit etwa 50 Milliarden Euro, kurz bevor sein Treiben im Januar 2008 aufflog. Die Summe überstieg damit sogar das Eigenkapital der Bank. Der Banker handelte überwiegend mit Termingeschäften auf den deutschen Leitindex Dax. Nach drei Börsentagen verlor die Bank durch seine Investitionen 4,9 Milliarden Euro. Der Wertpapierhändler erklärt, er hätte keinen Bezug mehr zu den Summen gehabt, die er investierte, und das System hätte ihn gezwungen, weiterzumachen. „Meine Chefs kamen jeden Morgen und haben mich gebeten, weiter zu kaufen“, sagte er.
Dem wird der Arbeitgeber, Société Générale, in den kommenden drei Wochen mit Nachdruck widersprechen - die Bank behauptet vom Treiben seines Mitarbeiters nichts gewusst zu haben. Anwalt Jean Veil, der Anwalt vom Ex-Staatspräsidenten Chirac, vertritt die Interessen der Bank. Der Anwalt erklärte im Vorfeld des Prozesses, Kerviel habe eigenmächtig gehandelt und seine Handelspraxis vor den Chefs versteckt. Die Société Générale rückt insgesamt mit drei prominenten Anwälten in den Prozess.
Veil möchte für seinen Mandanten eine Wiedergutmachung des Schadens erstreiten. Der Investmentbanker soll jedoch nicht nur die Summe ersetzten, die er an den Börsen verspielt hat. Er soll auch für den Imageschaden zahlen, den sein Arbeitgeber durch die Geschäfte erleiden musste, so Veil. Derzeit ermittelt die Bank die Schadenssumme, die wahrscheinlich im zweistelligen Milliardenbereich liegen wird.
Der Anwalt von Kerviel, Olivier Metzner, bestreitet, dass der Arbeitgeber vom Treiben seines Mitarbeiters nichts wusste. "Der Verantwortliche saß vier Meter entfernt im gleichen Büro“, erklärt Metzner. Es sei sehr unwahrscheinlich, dass dieser und nichts gesehen hat. |