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Die Rettung der insolventen Karstadt-Gruppe ist ein Stück näher gerückt: Die Stadt Köln hat am Montag, 24. Mai, angekündigt, dem Warenhaus die Gewerbesteuer zu erlassen. Oberbürgermeister Jürgen Roters erklärte, die Stadt werde heute endgültig grünes Licht geben. Zuvor hatten bereits 93 Kommunen auf die Steuer verzichtet.
"Es ist nicht schwer, auf Geld zu verzichten, das man nicht bekommen kann", sagte Wirtschaftsdezernent Norbert Walter-Börjans (SPD). Mit Kölns Entscheidung ist der Weg für den Insolvenzplan geebnet; nun kann ein Investor bei der Karstadt-Gruppe einsteigen. Hätte die Domstadt sich geweigert, wäre der Rettungsplan wertlos geworden, erklärte Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg durch einen Sprecher.
Köln möchte dem Konzern Gewerbesteuern von etwa 140 Millionen Euro erlassen, die für den Sanierungsgewinn fällig sind. Die Erträge entstanden durch die Zugeständnisse der Gläubiger: Die 25 000 Beschäftigten, Vermieter und Lieferanten haben insgesamt auf etwa zwei Milliarden Euro verzichtet. Für den Rettungsplan von Insolvenzverwalter Görg ist es unabdingbar, dass die Kommunen 98 Prozent dieser steuerlichen Forderungen erlassen.
Bis zum Freitag hat Görg jetzt Zeit, einen Käufer für die Warenhauskette Karstadt zu finden; ansonsten wird das Unternehmen zerschlagen. Mehrere Interessenten haben Übernahmeangebote eingereicht: Der deutsch-schwedische Beteiligungsgesellschaft Triton hatte bereits vor einigen Wochen ein Angebot abgegeben. Hinzu kamen am Freitagabend Investor Nicolas Berggruen; außerdem äußerte das von der Investmentbank Goldman Sachs geführte Immobilien-Konsortium Highstreet Interesse an einer Übernahme. Nach einem Bericht in der "Bild am Sonntag“ wolle Highstreet alle 120 Karstadt-Filialen übernehmen. Das Konsortium ist Karstadts größter Vermieter, ihm gehört etwa ein Drittel der Karstadt Immobilien.
Highstreet wäre nicht die schlechteste Option für die Beschäftigten, erklärte eine Verdi-Sprecherin. Allerdings hätten sich Konsortium und Gewerkschaft bislang nicht über ein gemeinsames Vorgehen einigen können. Highstreet plane die Wochenarbeitszeit von 37,5 auf 39,5 Stunden anzuheben, ohne einen Lohnausgleich vorzunehmen. Außerdem kündigte die Gesellschaft an, Arbeitnehmer an 15 Prozent des Kapitals zu beteiligen; dafür möchte sie auf etwa 50 Millionen Euro Forderungen verzichten. Auch das Übernahmekonzept von Triton stieß vergangene Woche bei Verdi auf Widerstand. Hingegen konnte Berggruen die Seriosität seines Angebots unterstreichen. Er hatte angekündigt, von der Belegschaft keine weiteren Zugeständnisse zu fordern und am Sanierungstarifvertrag festhalten zu wollen. |