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Der Autobauer Opel hat überraschend alle Anträge auf Staatsbürgschaften zurückgezogen – der amerikanische Mutterkonzern General Motors hat angekündigt, das europäische Unternehmen mit eigenen Mitteln zu sanieren.
Mit dieser Kehrwende hat wohl kaum jemand gerechnet: Opel werde alle Anträge auf staatliche Bürgschaften zurückziehen, verkündete gestern der Manager von General-Motors, Nick Reilly. Der amerikanische Autobauer werde die Sanierung des Rüsselsheimer Unternehmens allein übernehmen, obwohl der Mutterkonzern Milliarden dazu benötige. Ein Sprecher von Opel erklärte darauf hin, es werde weder Werksschließungen, noch weitere Entlassungen geben. Jedoch halte das Unternehmen am ursprünglichen Kürzungsplan fest.
In Europa plant der Autobauer, von den insgesamt 48 000 Stellen 8 300 abzubauen, etwa die Hälfte davon soll in Deutschland wegfallen. Außerdem möchte Opel den belgischen Standort Antwerpen schließen, um seine Überkapazitäten zu verringern. Auch der zwischen Arbeitnehmern und Management vereinbarte Vertrag bleibe gültig, der Beschäftigungs-, Standort- und Investitionszusagen regelt, erklärte Gesamtbetriebsratchef Klaus Franz. Die Arbeitnehmerschaft hatte im Gegenzug bis 2014 auf 265 Millionen Euro Lohn zu verzichten, um einen Beitrag zur Sanierung zu leisten.
Die Betriebsräte hatten befürchtet, General Motors könnte Opel-Standorte in Deutschland schließen, wenn sie die Tochter in Eigenregie sanieren würde. Deshalb hatten sie stets davor gewarnt, dem Konzern Staatsbürgschaften zu verweigern. Die Reaktion in den betroffenen Ländern fiel deshalb verhalten aus: Die Auswirkungen der Entscheidung auf Opel Deutschland seien derzeit noch nicht absehbar, hieß es aus dem Opel-Standort Wiesbaden. Der Betriebsratschef des Werks in Eisenach, Harald Lieske sagte, er wolle zunächst abwarten – es bliebe ein ungutes Gefühl. Er begrüße allerdings die Entscheidung, da General Motors nun Klarheit geschaffen und die Unsicherheiten für die Beschäftigten beseitigt habe.
Mit der Entscheidung endet ein Feilschen um staatliche Mittel, das insgesamt anderthalb Jahre gedauert hat. Opel hatte erstmals im November 2008 den Bund und die Bundesländer um Bürgschaften gebeten, dabei ging es zuletzt um einen Bedarf von 3,3 Milliarden Euro. Vergangene Woche hatte das Bundeswirtschaftsministerium dem Unternehmen Mittel aus dem Deutschlandfonds verweigert. Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) hatte Staatsbürgschaften abgelehnt, da General Motors die Krise bereits überwunden habe und wieder Gewinne in Milliardenhöhe schreibe.
Derweil plant der Konzern, noch 2010 zurück an die New Yorker Börse zu gehen. Brüderle sagte, er fühle sich in seiner Entscheidung voll bestätigt und begrüße den Börsengang. Die Bundesländer mit Opel-Standorten ärgern sich über die plötzliche Kehrtwende, da sie in den vergangenen Tagen über alternative Hilfsmittel diskutiert hatten.
Opel-Chef Nick Reilly kritisierte den Bundesminister abermals scharf für seine Absage an Staatsbürgschaften. Opel werde jedoch trotz Finanznot an den Plänen festhalten, noch 2010 acht neue Fahrzeuge auf den Markt zu bringen und insgesamt elf Milliarden Euro in neue Produkte zu investieren. |