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Die Ratingagentur Fitch hat die Kreditwürdigkeit des Ölkonzerns BP fast auf Ramschniveau herabgestuft. Konkurrenzunternehmen distanzieren sich von dem britischen Unternehmen und werfen ihm vor dem US-Kongress erhebliche Versäumnisse vor.
Der Ölkonzern BP hat mittlerweile nicht nur ein Problem mit dem Image. Zunehmend machen sich Investoren auch Sorgen über die finanziellen Folgen der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko, die das Unternehmen trägt. Die Ratingagentur Fitch hat am Dienstag, 15. Juni, zum zweiten Mal innerhalb des Monats die Kreditwürdigkeit des Konzerns drastisch gesenkt. Die Bonitätsnote fiel um sechs Stufen, und zwar von „AA“ auf „BBB“. Die Kreditwürdigkeit erreicht damit fast Ramschniveau und liegt nur knapp über der Bewertung von Griechenland. Die Folgen für die britische Firma sind erheblich: Sie kann sich nur noch zu deutlich schlechteren Konditionen Geld leihen.
Fitch schätzt die Kosten der Ölkatastrophe für den Konzern derzeit auf etwa sechs Milliarden Dollar. Die Summe enthält die Beseitigungskosten für die Umweltschäden und mögliche Schadenersatzforderungen. Darüber hinaus könnten Bußgelder in Höhe von acht Milliarden Dollar hinzukommen. Die Ölpest vor Alaska 1989 durch den Tanker Exxon Valdez hat gezeigt, dass es noch Jahrzehnte dauern kann, bis geklärt ist, wie hoch die langfristigen Forderungen gegen BP ausfallen.
Der Ölkonzern BP beriet am Montag im Aufsichtsrat darüber, die Dividende erstmals seit 1992 wieder auszusetzen. Die Entscheidung des Gremiums ist bislang noch nicht bekannt. Der Analyst von Fitch, Jeffery Woodruff, rechnet jedoch damit, dass BP keine Dividende zahlt, solange das Ausmaß der Krise unklar ist.
Der Druck auf BP wächst auch vonseiten der Konkurrenz: Vor dem US-Kongress warfen mehre Ölkonzerne dem britischen Unternehmen erhebliche Versäumnisse vor. Die Havarie der „Deepwater Horizon“ sei eine vermeidbare Tragödie gewesen, sagte Chevron-Chef John Watson. Zudem zeige die Katastrophe im Golf, dass alle Ölfirmen nach denselben hohen Standards arbeiten müssten. Der Chef von ExxonMobil, Rex Tillerson, erklärte vor den US-Abgeordneten, der Vorfall sei eine erhebliche Abkehr von den Normen der Branche bei Tiefseebohrungen.
Ereignisse dieser Art sollten im Golf von Mexiko nicht passieren, wenn die Sicherheitsstandards eingehalten würden. Der Ausschussvorsitzende, Ed Markey, bemängelte, die Sicherheitspläne von BP seien veraltet und unbrauchbar. In zwei Unterlagen sei die Telefonnummer eines lang verstorbenen Sicherheitsexperten aufgeführt worden. Zudem enthielten die Dokumente den Schutz von Walrössern, die überhaupt nicht im Golf von Mexiko beheimatet seinen. |