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Die Ratingagentur Fitch hat Spaniens Bonität herabgestuft. Der Grund: Das Sparprogramm des Landes werde das Wirtschaftswachstum in den folgenden Monaten deutlich belasten. Das Vorgehen stößt bei einigen Ökonomen auf scharfe Kritik, da es die Krise verschärfe.
Die Aktienkurse gaben nach Bekanntgabe des Ratings noch in der Nacht zum Sonntag um etwa ein Prozent nach; der Euro fiel von 1,2384 Dollar auf ein Tagestief von 1,2283 Dollar.
„Das Timing könnte nicht schlechter sein“, sagte Ökonom Michael Burda dem Berliner Tagesspiegel. Der Europa-Volkswirt von Goldman Sachs, Erik Nielsen, wirft der Ratingagentur Fitch sogar Versagen vor. Es sei nicht nachzuvollziehen, warum die Agentur Spaniens Kreditwürdigkeit herabstufe, obwohl das Land ein gutes Sparpaket verabschiedet habe. Seit dem Frühjahr sind die Ratingagenturen zunehmend in die Kritik geraten. Experten und Politiker geben ihnen eine Teilschuld am Ausbruch der Krise, da sie wertlose Ramschpapiere als sichere Kapitalanlagen eingestuft hatten. Ebenso bemängeln Kritiker die undurchsichtige Bewertungsmethodik, die zwischen mathematisches Verfahren und Meinung unzulänglich unterscheide.
Die Einstufungen von Ratingagenturen spielen auf den Finanzmärkten eine zentrale Rolle, da sie letztlich über die Konditionen entscheiden, zu denen Länder, Konzerne und Banken Kredite erhalten. Dabei gilt: Je besser das Rating ausfällt, das die Agentur vergibt, umso niedriger sind die Zinsen. Damit muss Spanien jetzt höhere Zinsen zahlen, um sich an den Kapitalmärkten Geld zu leihen.
Das Parlament in Spanien hatte vergangene Woche dem Sparprogramm der Regierung zugestimmt. Die Parlamentarier hatten beschlossen, die Ausgaben für den Haushalt im kommenden Jahr um 7,7 Milliarden Euro zu senken. Ebenso planen sie, die Gehälter im öffentlichen Dienst zu kürzen.
Internationale Finanzinstitutionen und die EU haben das Sparpaket der Regierung ausdrücklich gelobt. Die Finanzkrise hat Spanien hart erwischt: Die Neuverschuldung stieg im vergangenen Jahr um 11,2 Prozent. Jedoch lag die Staatsverschuldung insgesamt mit 53,2 Prozent unter dem europäischen Durchschnitt. Dem Land macht derzeit insbesondere die hohe Arbeitslosenquote von 20 Prozent zu schaffen.
Im Frühjahr hatte Fitch bereits die Kreditwürdigkeit von Griechenland und Portugal herabgestuft und damit die Angst vor einer auf andere Staaten übergreifende Schuldenkrise verstärkt. Jetzt stellt sich für Analysten die Frage, wann die anderen Ratingagenturen nachziehen und ebenfalls ihre Bonitätsnoten senken. Die Ratingagentur S&P hatte bereits im April die Kreditwürdigkeit von Spanien von der Bestnote „AAA“ auf „AA+“ gesenkt. Die Agentur Moody’s bewertet die Kreditwürdigkeit derzeit noch mit der Bestnote. |