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Spürbare Lohnerhöhungen sind was alle in Deutschland als nächsten Schritt der Krisenüberwindung sehen. Alle ausser dem Arbeitgeberverband, mit dem Präsidenten des Arbeitgeberverbandes Gesammtmetall Martin Kannegiesser und dem Präsidenten der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände Dieter Hundt an der Spitze, warnen sie von zu frühen und zu großen Lohnerhöhungen, denn ihrer Meinung nach bremsen diese den Aufschwung.
Die SPD hällt davon nichts. Lohnerhöhungen würden nach dem Wiederbeleben des Exports auch die Nachfrage im Innland ankurbeln. Bundeskanzlerin Angela Merkel teilt diese Auffassung und hofft, dass sich die größeren Einnahmen der Unternehmen in den Löhnen der Arbeitnehmer wiederspiegeln werden. Selbst aus dem Ausland wird für eine Lohnerhöhung geworben. So denkt die französische Finanzministerin Christine Lagarde, nach deren Meinung der ganze EU-Raum davon profitieren könnte. Diese Aussage ist nicht frei von Selbstinteresse, denn deutsche Unternehmen sind auch wegen den seit Jahren gleichgebliebenen Löhnen in ganz Europa die konkurrenzfähigsten geworden. Hinter dieser Aussage könnte also die Hoffnung stehen, dass mit höheren Löhnen auch die Konkurrenzfähigkeit des Landes etwas schwindet.
Alle Anzeichen sprechen dafür, dass die meisten Unternehmen Lohnerhöhungen ohne jegliche Zahlungsschwierigkeiten durchführen könnten. In den vergangenen Jahren der Krise haben die meisten Arbeitnehmer auf jegliche Lohnerhöhungen verzichtet und waren froh ihre Arbeitsplätze behalten zu können. Doch nach einer Prognose von 2 Prozent Wachstum in der Industrie meint auch DGB-Chef Michael Sommer, dass es wieder Zeit wäre auch die Nöte der Arbeiter vorrangig zu machen.
Die erste Tarifrunde der Nachkrisenzeit findet am Montag in Gelsenkirchen statt. Die IG-Metall fordert im Rahmen dieser Runden eine 6 Prozentige Erhöhung der Löhne für die Arbeiter der nordwestdeutschen Stahlindustrie. Vor einigen Jahren hätte diese Zahl einen Aufschrei bei den Unternehmen ausgelöst, nicht aber dieses Mal, denn die Reallöhne sind in den letzten Jahren sogar kleiner geworden.
Diese gelassene Reaktion kann auch dadurch erklärt werden, dass in vielen Unternehmen die Mitarbeiter in den härteren Zeiten vieles aufgegeben haben. Manche verzichteten auf das Urlaubsgeld oder das Weihnachtsgeld, andere verzichteten ganz auf ihr Lohn nur um ihre Arbeitsplätze zu sichern. Kurzarbeit wurde mit den entsprechenden Kürzungen zu Realität in den meisten Unternehmen. Bei Daimler gab die Belegschaft sogar einen Kredit von 280 Millionen Euro indem sie auf ihre Ergebnissbeteiligung für das Jahr 2008 verzichtete.
Bei den Konzernchefs sah es mit den Löhnen etwas anders aus. Kürzungen von bis zu 30 Prozent waren in den Krisenjahren die Ausnahmne. Nach einer Meldung des Beratungsunternehmens Towers Watson stiegen die Vergütungen der Vorstandschefs von 29 Unternehmen mit durchschnittlich 10 Prozent. |